Stand 06.07.2018

Migräne


Migräne – Kopfschmerzen – verschiedene Kopfschmerz-Formen – Migräne-Häufigkeit – Beschwerdebild – Vorposten-Symptome – Aura (Beschwerde-Beginn) – Kopfschmerz-Attacken – begleitende Kopfschmerz-Beschwerden – Kopfschmerz-Rückbildungsphase – Auslöse-Faktoren – Unterscheidungsmöglichkeiten der verschiede­nen Kopfschmerz-Formen: Spannungs-Kopfschmerz, Cluster-Kopf­schmerz, Kopfschmerz nach Durchblutungsstörungen oder Blutungen im Gehirn, Medikamenten-bedingter Dauerkopfschmerz, cervikoge­ner Kopfschmerz, Trigeminus-Neuralgie – Sonderformen der Migräne – seelische und psychosoziale Ursachen – Behandlungsmöglich­keiten: medikamentös, nicht-medikamentös, vorbeugend – Heilungs­aussichten – u.a.m.

Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten Beeinträchtigungen überhaupt: mehr als zwei Drittel der Bevölkerung, schon bei Schulkindern in 10 bis 15%. Am häufigsten finden sich Spannungskopfschmerz, Cluster-Kopfschmerz, der medikamenten-bedingte Dauerkopfschmerz, der cervikogene Kopfschmerz und die Migräne, die wohl qualvollsten Kopfschmerz-Attacken (Einzelheiten s. u.).

Die Migräne ist eine chronische Erkrankung. An ihr leiden allein in Deutschland zwischen 10 und 30%, bei einmaliger Migräne-Attacke sogar noch mehr. Frauen sind etwa 3- bis 4-mal häufiger betroffen. Ein Maximum findet sich zwischen dem 25. und 55. Lebensjahr („die besten Jahre"). Die Migräne tritt erstmals um die Pubertät und im frühen Erwachsenenalter auf und geht dann wieder zahlenmäßig etwas zurück, nach dem 40. Lebensjahr wird sie eher selten. Individuelle Belastungsfaktoren sind möglich, jedoch nicht die Regel (Stadt-/Land-Bevölkerung, Gebirge/See, Umwelt- oder Wettereinflüsse u. a.). Das Wichtigste scheint eine genetische Disposition zu sein (Erbanlage).

Das Beschwerdebild bzw. die typischen Schmerz-Phasen sind allseits bekannt:


Auslöse-Faktoren

Auslöse-Faktoren (Fachbegriff: Trigger-Faktoren) sind niedriger Blutdruck, Wetterumschlag oder bestimmte meteorologische Einflüsse (z. B. Föhn), hoher Alkoholkonsum (besonders Rotwein) sowie bestimmte Käsesorten allein oder noch folgenschwerer zusammen. Außerdem regelmäßiger starker Koffeingenuss mit Schwankungen des Koffeinspiegels, Stress, gemütsmäßige Belastungen (aber auch Entlastung), ein veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus (z. B. Wochenende mit Ausschlafen), hormonelle Umstellungen (Regelblutung, Eisprung, „Pille“), Umwelt-Belastungen wie Lärm, Kälte, Flackerlicht, Höhe und neben dem Käse auch Schokolade, bestimmte Südfrüchte, eine Reihe von kopfschmerz-auslösenden Medikamenten (s. u.), Hunger, Erwartungsangst, Schlafentzug, die Häufung in bestimmten Jahreszeiten (Frühjahr und Herbst) u. a.


Unterscheidungsmöglichkeiten

Differentialdiagnostisch (was könnte es sonst noch sein?) muss man an die schon erwähnten anderen Kopfschmerz-Arten sowie weitere kopfschmerz-verdächtige Krankheitsbilder denken. Beispiele:


Sonderformen der Migräne

Sonderformen der Migräne können ebenfalls an alle möglichen Erkrankungen denken lassen. Beispiele: Halbseiten-Lähmung, Sprachstörungen, Hörminderung, Steh- und Gehstörungen, Missempfindungen, Sehstörungen bis zur Erblindung eines Auges, Bewusstseinsstörungen u. a.

Es gibt aber auch Warn-Hinweise, die an der Diagnose einer Migräne zweifeln lassen sollten. Beispiele: Kopfschmerzdauer unter zwei Stunden, nie Seitenwechsel, erstmaliger Ausbruch nach dem 40. Lebensjahr, jahrelange Beschwerdefreiheit zwischen den Kopfschmerz-Attacken, Fieber, ungewöhnlich schwere Kopfschmerz-Intensität, anhaltende Müdigkeit, allgemeine Erschöpfbarkeit usw.


Psychosoziale Ursachen

In psychologischer Hinsicht wird seit jeher eine Vielzahl von Auslöse- und Verstärker-Faktoren diskutiert. Dabei gehen die wissenschaftlichen Meinungen bisweilen deutlich auseinander. Nachfolgend einige Beispiele ohne Wertung:

Erhöhte Ängstlichkeit und Depressivität, zu ausgeprägte und wenig steuerbare Reiz-Offenheit gegenüber äußeren Belastungen, Übergenauigkeit bis Zwanghaftigkeit, verstärkte Selbstunsicherheit, die sich besonders in ungewohnten Situationen zu Konflikt- und Belastungsreaktionen aufschaukelt („Stress“), verstärkte Reizbarkeit, ja Aggressivität bis hin zur Entladung aufgestauter Feindseligkeits-Impulse, Verlust- und Trennungsbefürchtungen (Furcht vor Abhängigkeit, aber auch Einsamkeit), Neigung zu Minderwertigkeitsgefühlen (schon ein kleiner Fehler macht in der subjektiven Negativ-Einschätzung zum „vollkommenen Versager“), Neigung, sich zu viel Verantwortung aufzubürden (was letztlich gar nicht gefordert ist), Einschätzung der eigenen Unersetzlichkeit (kompetent und alles richtig machen, um von jedermann respektiert zu werden, weniger könnte als Inkompetenz aufgefasst werden), Tendenz zu überzogenen Konsequenzen was das eigene, oft labile Selbstwert-Erleben anbelangt sowie Pessimismus und Resignation als falsche Schlussfolgerung aus relativ harmlosen Ereignissen heraus, die als ewig und unkorrigierbar fehl-interpretiert werden u.a.m.


Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung einer Migräne sollte deshalb nicht nur medikamentös, sondern ggf. auch bio-psycho-sozial orientiert sein, und zwar mit Schwerpunkt auf seelischen und psycho-sozialen Faktoren, die es zuvor (vorsichtig!) zu erarbeiten und danach konsequent zu korrigieren gilt.

Im Einzelnen:

Bei gewissenhafter, ausreichend langer und konsequenter Anwendung kann es zu einer 30 bis 70%iger Reduktion der Attacken pro Monat kommen. Einzelheiten zur medikamentösen Prophylaxe siehe die ärztliche Beratung.


Schlussfolgerung

Eine „Heilung“ durch die bisher verfügbaren Therapien jeglicher Art ist nur selten möglich, jedenfalls derzeit. Bei konsequenter Anwendung aller verfügbaren Mittel (am besten kombiniert - s. o.) und guter Compliance (Therapietreue, Einnahmezuverlässigkeit) ist aber in der Regel eine zufrieden stellende Besserung für die meisten Patienten erreichbar.