Verstimmungszustände sind Befindensstörungen im Alltag. Die Trauer ist eine natürliche Reaktion aufgrund eines belastenden Ereignisses. Die Depression dagegen ist eine Krankheit, eine Gemütskrankheit. Verstimmungszustände kann man überwinden lernen. Bei der Trauerreaktion „heilt meist die Zeit die Wunden“. Eine Depression hingegen kann man nicht einfach überwinden, aussitzen, überspielen, verdrängen oder ausschalten.
Eine Depression verändert ihr Opfer tiefgreifend, und zwar seelisch, körperlich, zwischenmenschlich und leistungsmäßig-beruflich. Während einer Depression kann man das Leben nicht mehr so weiterführen wie bisher - oder nur mit der größten Anstrengung. Depressionen sind vor allem deshalb so gefürchtet, weil sie alle Lebensbereiche beeinträchtigen. Einer Depression ausgeliefert sein, heißt nirgends mehr Zuflucht zu finden. Depressionen gehören zusammen mit der Alzheimer Demenz nicht umsonst zu den gefürchtetsten Krankheiten.
Risikofaktoren
Zu den Risikofaktoren zählen neben dem weiblichen Geschlecht vor allem eine erbliche Belastung, z. B. depressive Erkrankungen in der Familienvorgeschichte. Dabei darf man nicht nur die Eltern, sondern muss auch deren Vorfahren einzubeziehen, also die Großeltern und deren Verwandte mütterlicher- und väterlicherseits. Je genauer man nachprüfen kann, desto häufiger stößt man auf den Verdacht einer erblichen Vorbelastung. Das ist allerdings oft schwierig, denn früher kannte man sich mit Depressionen weit weniger aus und versuchte vor allem alles zu vertuschen, was irgendwie seelisch auffällig war.
Daneben gibt es aber auch weitere Risikofaktoren, vor allem auf sozialem Gebiet: Getrennte und geschiedene Personen und solche ohne vertraute Umgebung erkranken eher. Als wichtigster Schutzfaktor erweisen sich vertrauensvolle menschliche Beziehungen und eine positive berufliche Einstellung. Offenbar spielen die häufig als Ursache herangezogenen belastenden Lebensereignisse oder Schicksalsschläge vor allem eine Auslöserrolle im Vorfeld der ersten depressiven Episoden. Dagegen scheint für wiederholte Depressionen eher eine pathophysiologische (biologische) Krankheitsanfälligkeit von Bedeutung. Oder kurz: Die ersten Auslöser kommen mehr von außen, die späteren von „innen“. Besonders kritisch wird es dann, wenn sich die Schicksalsschläge so häufen, dass sich das Opfer dazwischen nicht mehr recht erholen kann.
Wie kann man eine Depression erkennen?
Depression ist nicht nur Schwermut. Im Gegenteil: Viele Depressive schleppen sich erst einmal mit Leistungsabfall und körperlichen Beschwerden dahin und dies oft viel zu lange, d. h. im Schnitt mehrere Monate, falls sie überhaupt ihren Arzt konsultieren. Sie klagen vor allem über Schlaf-, Appetit-, Magen-Darm-, Herz- und Atmungsstörungen, über Verspannungen, Gelenk-, Rücken- und Muskelschmerzen, ehe sie - meist nur auf direktes Befragen - auch Merk- und Konzentrationsstörungen, Unruhe, innere Anspannung, Entscheidungsunfähigkeit, Interesseschwund, Gleichgültigkeit und allgemeine Lustlosigkeit zugeben. Dabei hilft die alte Erkenntnis weiter: Eine Depression äußert sich eher in einer Art Elendigkeitsgefühl („wie bei einer schweren Grippe“) sowie durch grundlose Freudlosigkeit als durch auffällige Traurigkeit.
Zu den häufigsten Krankheitszeichen gehören folgende Symptome:
Das Leidensbild der Depression: Allgemeine Aspekte
Die seelischen und psychosozialen Symptome einer Depression werden sonderbarerweise seltener beklagt oder sogar als scheinbar weniger belastend empfunden, obgleich es sich hier ja um ein psychisches Leiden handelt, dessen seelische Krankheitszeichen wohl auch am meisten beeinträchtigen. Deshalb muss man die psychischen Symptome regelrecht abfragen; von selber kommen sie nur selten ergiebig genug zur Sprache. Dann aber nehmen die Betroffenen oft erstmals verwundert wahr, unter welcher Vielzahl von Beeinträchtigungen sie zu leiden haben. Im Einzelnen:
Spezielle Aspekte
Bei den körperlichen Symptomen finden sich vielfältige Störungen, meist ohne nachweisbare Ursache. Bisweilen ergeben sich bei der Untersuchung krankhafte Organbefunde, die jedoch nur einen Teil des geklagte Beschwerdebildes erklären (z. B. Blutdruckabfall, Gewichtsverlust, Schlaflosigkeit usw.). Die häufigsten Beispiele in Stichworten:
Schlaf: Ein- und Durchschlafstörungen, Früherwachen, schwere Träume; tagsüber unfrisch oder dösig. – Appetit: häufig Appetitlosigkeit mit Gewichtsverlust, manchmal auch Heißhunger mit Gewichtszunahme. – Magen und Darm: Übelkeit, Brechreiz, Völlegefühl, Blähungen, Aufstoßen, Magendruck, Krämpfe, Druckschmerzen, Verstopfung oder Durchfall. – Kopf: Kopfdruck, manchmal über den Augen, manchmal als Hinterhauptsdruck, manchmal wie ein „Helm“ oder „Reifen“ um den Kopf. – Sinnesorgane: Nachlassen von Seh- und Hörfähigkeit bzw. Geruch oder Geschmack, bisweilen auch Überempfindlichkeit. – Herz und Atmung: vielfältige Beschwerden bis Schmerzen in der Herzgegend (z. B. Druck auf der Brust, besonders nach dem Früherwachen), ferner Atemenge, „Kreislaufstörungen“ usw. – Vegetative und andere Beschwerden: Kloß im Hals; Verspannungen, Gelenk-, Rücken- und Muskelschmerzen, meist nicht exakt festlegbar, oft wandernd; Blasenstörungen; Zungenbrennen, Mundtrockenheit, Hautüberempfindlichkeit; schwere Beine; Hitzewallungen, Kälteschauer, Störungen der Schweiß- und Tränensekretion („tränenlose Trauer“); Nachlassen von sexuellem Verlangen und Potenz; allgemeine Missempfindungen am ganzen Körper.
Zwischenmenschliche Folgen
Die zwischenmenschlichen und beruflichen Folgen pflegen nach den körperlichen Beeinträchtigungen am ehesten als Belastung empfunden zu werden. Allerdings weiß man sie meist nicht richtig einzuordnen. Auch versucht man vor allem in beruflicher Hinsicht durch intensive Anstrengungen den alten Leistungsstand so lange wie möglich zu halten. Im Einzelnen:
Ängstlich registrierte Minderung der Kontaktfähigkeit bei jedoch unverändert vorhandenem Kontaktwunsch: Partner, Kinder, Eltern, sonstige Verwandte, Freunde und Bekannte, Nachbarn, Berufskollegen, Zufallsbekanntschaften u. a.; dadurch Gefahr der gemütsmäßigen Vereinsamung, des Rückzugs der Umwelt, des Abbruchs alter Beziehungen mit der Unfähigkeit, neue zu knüpfen, kurz: Isolation. – Aber auch „leises Einschlafen der Kontakte“ bei seelisch-körperlich gehemmten Depressiven und aktiver Rückzug der Umgebung bei getrieben-klagsamen, hypochondrischen oder gar hilflos-feindselig reagierenden Patienten. – Dazu sonstige vielschichtige Probleme mit der näheren und weiteren Umgebung, z. B. im hygienischen Bereich (Vernachlässigung von Kleidung und Körperpflege, ungewohnte „Unzuverlässigkeit“, „Nachlässigkeit“, „Gleichgültigkeit“ u. a.)
Bei den beruflichen Konsequenzen droht vor allem das Unvermögen, mit alltäglichen Aufgaben und bisher problemlos bewältigten Schwierigkeiten fertig zu werden: Unfähigkeit, sich zu den einfachsten Alltagsverrichtungen aufzuraffen – und wenn, dann mit plötzlich langer Anlaufzeit und unendlicher Mühsal: „doppelter Einsatz bei halbem Ertrag“. Das betrifft sowohl den Beruf als auch den Haushalt; vor allem die Schwierigkeiten, eine Tätigkeit zu beginnen und durchzuhalten, sogar bei automatisierten Fertigkeiten und Routinehandgriffen.
Besondere Einbußen drohen bei neuen, ungewöhnlichen, unerwarteten oder schwierigen Aufgaben, bei Mehrfachbelastung, Arbeit unter Zeitdruck oder bei rasch wechselnden Anforderungen; dadurch deutlicher, z. T. peinlicher Leistungsabfall.
Die Folgen: Verwunderung, Irritation, Verärgerung, ungnädige Anfragen, demütigende Aussprachen, unnötige Auseinandersetzungen, atmosphärische Belastung in Familie und Betrieb, Gefahr der Versetzung, Herabstufung oder gar des Arbeitsplatzverlustes, entweder durch Kündigung von Arbeitgeber oder gar Patienten selber, der durch seine krankheitsbedingten Minderwertigkeits- und Schuldgefühle schließlich völlig zermürbt aufgibt.
Eingeschränkte Leistungsfähigkeit bzw. Leistungsunfähigkeit im Sinne von Nichts-Können, Nichts-Leisten, Versagen. – Beeinträchtigtes Selbstwertgefühl bzw. Minderwertigkeits- und Kleinheitsgefühle im Sinne von Nicht-gemocht-Werden, Nicht-geliebt-Werden. – Unnötige, wenn nicht gar unzutreffende Schuldzuweisungen bzw. Selbstvorwürfe, Selbstanklagen und damit ein fehlendes Schuldbewusstsein und alles dies auch noch selbst verursacht zu haben.
Oder ausgedrückt in einem einzigen Satz depressiven Problem-Grübelns: „Ich kann nichts, ich bin nichts, man mag mich nicht - und schuld daran bin ich auch noch selbst.“
Erschwert wird diese vernichtende Selbstbeurteilung von der charakteristischen Einstellung vieler Depressiver:
Dies ist allerdings „nur“ der subjektive Leidensschwerpunkt, also das, was dem Patienten am meisten bewegt, was er am häufigsten äußert. Charakteristisch sind darüber hinaus noch jene Krankheitszeichen, die man meist erfragen muss, weil sie den Betroffenen gar nicht (so) bewusst sind. Deshalb sei noch einmal auf einige Basisfragen hingewiesen, die zwar keine diagnostische Sicherheit garantieren, dennoch einen gewissen Hinweiswert besitzen:
In diesem Zusammenhang scheinen einige Aspekte besonders charakteristisch zu sein. Dazu gehören:
Zuletzt sind noch folgende Daten wichtig, die das diagnostische Erkennen besser verstehen helfen. An diese Erkenntnisse kommt man aber nur heran, wenn sie von Patient und Angehörigen zuvor gezielt geprüft, überdacht und entsprechend beantwortet wurden:
- Auslöser: Liegt den derzeitigen oder früheren depressiven Zuständen ein auslösendes Ereignis von subjektiver Bedeutung zugrunde? Doch Vorsicht: Was welche Bedeutung bzw. Erschwernis hat, entscheidet einzig und allein der Betroffene, nicht seine Umgebung. Wie frustrierend oder gar verhängnisvoll solche Fehleinschätzungen sein können, kennt jeder aus seiner eigenen Jugend, den Satz noch im Ohr: „Deine Sorgen möchte ich haben ...!“
Bei den subjektiven Auslösern auch auf so genannte Jahrestag-Reaktionen achten, d. h. erinnerungsschwere und damit kritische Daten wie Todestag naher Angehöriger, Erkrankungs-, Trennungs- oder Scheidungstermine, sonstige Verluste oder heimlich belastende Ereignisse u. a.
Allerdings ist es nicht einfach, zwischen „echten“ und vorgeschobenen, zumindest überbewerteten Unannehmlichkeiten zu unterscheiden. Viele Patienten und vor allem Angehörige neigen in ihrer Not und Verzweiflung dazu, zu nachvollziehbaren, nach außen einigermaßen stichhaltigen Ursachen und Motiven Zuflucht zu nehmen und diese dann einseitig und beharrlich als entscheidendes Kriterium anzubieten bzw. immer wieder in den Vordergrund zu stellen. Das sind dann meist bedrückende Geschehnisse, die durchaus einen möglichen Grund abgeben können, bei genauem Nachfassen aber für diesen Beschwerdebild dann doch nicht so entscheidend sind.
- Organische oder medikamentöse Ursachen: Welche körperlichen Krankheiten wurden bisher festgestellt (körperlich begründbare Depression); welche medikamentösen Maßnahmen wurden angesetzt oder laufen noch (medikamentenbedingte Depression)?
- Reaktive Faktoren: Gab oder gibt es im Leben des Patienten Ereignisse, die ihn seelisch und/oder psychosozial belasten und die ihm im Grunde nicht mehr losgelassen haben - auch wenn er darüber nicht spricht?
- Erschöpfungszustand: Ist der Patient einer gefühlsmäßigen Belastung bzw. entlastungslosen Stress-Situation ausgesetzt, z. B. in Partnerschaft, Familie, Nachbarschaft, Berufsleben (Erschöpfungsdepression, heute am ehesten mit Burnout zu vergleichen: erschöpft è verbittert è ausgebrannt)?
- Verlauf: Hat der Patient bereits ein- oder mehrmals depressive oder manische (= Hochstimmungs-)Phasen unterschiedlicher Ausprägung durchgemacht - evtl. an bestimmte Jahreszeiten wie Frühjahr oder Herbst gebunden? Oder - ggf. weniger ausgeprägt, aber gleichwohl belastend - in der dunklen Jahreszeit (also etwa zwischen November und Februar/März = Winter- oder Lichtmangeldepression)?
- Beim weiblichen Geschlecht ist besonders die Zeit nach einer Schwangerschaft von Bedeutung. Dort irritieren zwar fast immer die so genannten „Heultage“, doch die sind normal. Die Frage lautet: Hat sich einige Tage nach der an sich komplikationslosen Geburt eines gesunden Kindes plötzlich eine ausgeprägte Schwermut eingestellt, die weit über die bekannten Heultage hinausgegangen ist und mehrere Woche angedauert hat?
- Erbliche Belastung/Disposition: Ist der Patient durch seelische Störungen oder Erkrankungen seitens Großeltern, Onkels, Tanten, Eltern eventuell vorbelastet? Gibt es unter Geschwistern, Nichten, Neffen ähnliche Leiden? Die Frage nach der erblichen Belastung oder mindestens Disposition (Neigung, in diesem Falle also ein Art genetische Anfälligkeit) ist von größter Wichtigkeit, auch wenn ihr Hinweiswert nur selten genutzt wird.
Manchmal ist sie leicht, in der Regel aber nur schwer und vor allem unvollständig zu beantworten. Zum einen kann man sich kaum mehr an die meisten Verwandten erinnern, zum anderen wurden gerade seelische Störungen - bewusst oder unbewusst - früher viel häufiger vertuscht. Deshalb gilt es sorgfältig nachfragen, zumal solche Gemütskrankheiten nicht selten auch eine Generation überspringen! Auch sollte man nicht gleich oder ausschließlich nach „Geisteskrankheiten“, „psychiatrischem Krankenhausaufenthalt“ oder gar „Selbstmordversuchen“ fragen, was nur schockiert und damit blockiert, sondern eher nach häufigen Beschwerden bzw. Ereignissen forschen, die meist für unverfänglich gehalten werden: hartnäckige Ein- und Durchschlafstörungen, quälendes Früherwachen, ausgeprägte und unbegründete Angstzustände, länger dauernde Phasen von unerklärlicher Traurigkeit, die sich dann wieder verflüchtigten, ungewöhnlicher Leistungseinbruch trotz verzweifelten Kompensations-Versuchen, vielleicht sogar in eine überzogene Hochstimmung umschlugen bzw. ganz allgemein „Schicksalsschläge“, „Nervenzusammenbrüche“, längere Fremd-Aufenthalte („Kur“?) usw.
Spezielle Aspekte
Zuletzt sollen noch drei Aspekte kurz diskutiert werden, die für den Alltag, für Diagnose und Therapie von großer praktischer Bedeutung sind. Gemeint ist das alte Unterscheidungs-Problem Traurigkeit oder Depression? sowie die neueren Erkenntnisse zur Frage: Depression und Lebensalter sowie gibt es eine spezifische Männer-Depression? Im Einzelnen:
Traurigkeit ist ein Gefühl, die Trauer eine normale Reaktion auf einen (schwerwiegenden) Verlust oder Schicksalsschlag. Auch bei der „einfachen Trauer“ kann sich ein ausgeprägtes depressives Beschwerdebild mit Niedergeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme und Schlafstörung einstellen. Selbst Schuldgefühle sind möglich, doch kreisen sie dann in der Regel um nachvollziehbare Skrupel, z. B. frühere Auseinandersetzungen, Streit, Spannungen, Pflege. Und treten Todesgedanken auf, beschränken sie sich gewöhnlich auf die Überlegung, dass es vielleicht besser wäre, ebenfalls tot zu sein. Solche düsteren Gedanken pflegen jedoch nicht das Ausmaß diffuser oder gar konkreter Selbsttötungs-Phantasien anzunehmen. Auf jeden Fall hält der Betroffene seine Gefühle noch für „normal“, selbst wenn er z. B. wegen Schlafstörungen medikamentöse Hilfe sucht.
Der Übergang von Trauer zur Depression kann allerdings auch fließend verlaufen. Die größten Unterscheidungsschwierigkeiten findet man in der Regel im höheren Lebensalter. Doch gibt es einige Unterscheidungshilfen, deren Wert man zwar nicht unkritisch überdehnen, die man aber dennoch kennen und ggf. nutzen sollte. So spricht man nicht mehr von Trauer, sondern von einer krankhaften depressiven Störung:
Wenn die Verstimmungen im Sinne einer seelischen und sogar körperlichen „Herabgestimmtheit“ ununterbrochen länger als einige Wochen oder gar Monate bestehen (was mitunter aber auch bei ausgeprägten Trauerreaktionen möglich ist, vor allem im höheren Lebensalter), wenn sie vom Betroffenen selbst als nicht nur quälend, sondern zumindest teilweise fremd und nicht abschüttelbar erlebt werden, mit bedrängenden, ja beherrschenden Gefühlen von Schuld und Unfähigkeit (nicht Können trotz Wollen), mit gleichgültiger Selbstvernachlässigung, mit Todeswünschen oder gar konkreten Selbsttötungsideen bzw. -absichten einhergehen, von außen, d. h. durch zwischenmenschliche Kontakte nicht mehr in der üblichen Weise zu lindern sind und wenn der Gesamtzustand so unerträglich wird, dass der Betroffene ärztliche Hilfe suchen muss.
Vor allem die letzte Erkenntnis ist ein alter, einfacher und in der Tat nicht unbegründeter Unterscheidungsfaktor: Wer nur traurig ist, geht kaum zum Arzt.
Bisher glaubte man, dass die von den Ärzten und Psychologen erarbeiteten, treffender: herausgearbeiteten Krankheitszeichen einer Depression generelle Bedeutung hätten, also auch für beide Geschlechter und alle Altersstufen gelten würden. Das hat man inzwischen als Irrtum erkannt. Was das Thema „Depression und Alter“ anbelangt (siehe später), so war man auf neuere Erkenntnisse noch am ehesten gefasst. Etwas ungewöhnlich aber war die Vorstellung, Männer und Frauen würden depressive Zustände unterschiedlich erleben, was das quälende und folgenreiche Beschwerdebild anbelangt. Was gilt es inzwischen zu erkennen und - vor allem von der Seite der betroffenen Männer aus - zu akzeptieren?
Körperliche und psychische Störungen werden offensichtlich nicht nur durch die biologische Geschlechts-Zugehörigkeit über genetische (Erbanlage) und hormonelle Faktoren beeinflusst. Man muss auch die soziale Geschlechter-Rolle, d. h. gesellschaftliche Aspekte berücksichtigen. Zwar ist hier neuerdings vieles im Fluss, was geschlechts-spezifische Einstellungen und Gesundheits-Konzepte, Erkrankungs-Risiken und -Entwicklungen anbelangt, doch nach wie vor gilt es nicht nur biologische, sondern auch sozial-psychologische Unterschiede zu respektieren.
Als Erstes muss man sich darüber Gedanken machen, dass das weibliche Geschlecht zwar offiziell zwei- bis dreimal öfter von einer Depression betroffen ist bzw. sein soll, die Suizid-Häufigkeit von Männern aber drei- bis zehnmal höher ist als die von Frauen, je nach Studie. Und Depressionen gelten mit Abstand als häufigste Selbsttötungs-Ursache. Also ist auch mit mehr „Männer-Depressionen“ zu rechnen, wenngleich auf spezifische Art „maskiert“ (früher auch als larvierte Depression bezeichnet).
Einzelheiten zu den vor allem sozio-ökonomischen Ursachen sowie sozio-kulturellen Formen traditioneller Männlichkeit sollen hier nicht diskutiert werden. Sie haben aber auf die „aktuelle Depressions-Form beim Mann“ einen großen Einfluss. Das Gleiche gilt für das so genannte Männlichkeits-Stereotyp, bei dem das Eingeständnis von Hilflosigkeit und Hilfsbedürftigkeit einem Status- und Identitätsverlust gleich käme. Eine Depression passt nicht in die traditionelle Maskulinitäts-Ideologie, weil sie als weiblich (wenn nicht gar „weibisch“) gilt. Frauen suchen Hilfe, Männer flüchten lieber in den Alkohol, wenn nicht gar Suizid; letzteres eine möglicherweise zunehmende Form der „männlichen Konflikt-Lösung“. Offenbar gibt es beim weiblichen Geschlecht mehr depressions-bahnende Stress-Ursachen, während bei den Männern der Beruf die alles dominierende Stress-Quelle zu sein scheint (zumindest aber am besten untersucht ist). Jedenfalls leuchtet damit ein, dass der wichtigste oder zumindest einer der wichtigsten Risiko-Faktoren für Depressionen die Bedrohung ihres sozialen Status ist.
Das heißt aber auch, dass sich Depressionen bei Männern anders äußern, als die bisher „klassischen Depressions-Symptome“ nahe legen. Es geht also vor allem um eine männer-typische Abwehrstrategie zum Schutz einer „männlich-starken Fassade“. Dabei gibt es offenbar keine Unterschiede, was die Kern-Symptome einer Depression anbelangt (siehe oben). Allerdings - und hier beginnt das Problem der rechtzeitigen Diagnose - berichten Männer sehr viel seltener über entsprechende Beschwerden, die den Verdacht einer Depression nahe legen könnten. Dafür zeichnen sich häufiger eine innere Unruhe, Nervosität und Anspannung ab, ja eine erhöhte Feindseligkeit, die vermehrt mit entsprechenden Selbstbehandlungs-Versuchen erträglicher gemacht werden soll (s. u.). Dies äußert sich auch in den eher gesellschaftlich negativ auffallenden Symptomen Reizbarkeit, ärgerliche Reaktionen, in Aggressivität und sogar antisozialen Verhaltensweisen – wohl gemerkt nicht „nur“ als Fehl-Verhalten, sondern als Depressions-Symptome.
Deshalb diskutiert man inzwischen auch folgende diagnostische Kriterien, die man einer „männlichen Depression“ zuordnen kann:
Vermehrter sozialer Rückzug (der aber oft infrage gestellt, ja verneint wird). – Burnout-Hinweise (berufliches Überengagement, das aber eher einer berufs-bedingten Stress-Überforderung zugeschrieben wird). – Abstreiten von Kummer und Traurigkeit, dafür aber zunehmend starre Forderungen, „endlich in Ruhe gelassen zu werden“; Unfähigkeit, die Hilfe von anderen anzunehmen („das kann ich schon allein“). – Schwindendes sexuelles Interesse (aber auch das Gegenteil). – Zunehmende Impulsivität und Ärger-Attacken. – Vermehrter Nikotin- und Alkohol-Konsum, aber auch anderes Sucht-Variationen wie Fernseh-, „Sport“-, TV-, Internet-, ja Arbeits-Sucht u. a. – Ausgeprägte Selbstkritik, vor allem auf das eigene vermeintliche Versagen gerichtet, ja Versagens-Angst. – Aber auch der Versuch, andere oder bestimmte Bedingungen für seine eigenen Probleme verantwortlich zu machen. Damit verdeckte oder offene Feindseligkeit, auf jeden Fall innere Unruhe, Gespanntheit, Nervosität, Fahrigkeit und deshalb vermehrt Konzentrations- und Schlaf- sowie Gewichtsprobleme.
Depression und Lebensalter
Wenn man an Depressionen denkt, hat man vor allem einen älteren Menschen vor Augen. Doch das ist ein Irrtum. Depressionen gibt es in jedem Lebensalter. Ältere kommen zwar in manchen Studien etwas häufiger vor, wohl aber vor allem deshalb, weil sie eher den Arzt konsultieren, entsprechend diagnostiziert und behandelt werden - und damit öfter in die Statistik eingehen.
Wie unterscheiden sich nun depressive Störungen im Kindes- und Jugendalter von denen der Erwachsenen bis ins hohe Alter? Dabei muss man als Erstes beachten: Depressive Symptome bei Minderjährigen sind stark alters-abhängig, d. h. nicht nur gegenüber den Erwachsenen, sondern auch im eigenen Alters-Bereich. Hier ist nämlich zu differenzieren in Kleinkind, Vorschulkind, Schulkind und Jugendlicher.
Depressionen im Klein-Alter sind eher körperlich betont (wie das zum Ende des Lebens erneut auffallen wird – siehe Altersdepressionen). Die Fachleute sprechen von „larvierten Depressionen“, vom lat.: larva = Larve, Maske, deshalb auch maskierte Depressionen genannt. Gemeint ist ein (vor allem Eltern, Pflegepersonal und sogar Ärzten täuschendes) Überwiegen körperlicher Symptome; scheinbar rein-körperlich, in Wirklichkeit aber seelisch ausgelöst und unterhaltend, wenn auch in der „Körper-Sprache“ des Kleinkindes (deshalb auch psychosomatisch genannt: seelische Belastungen äußern sich körperlich, aber ohne organischen Grund). Welches sind nun die wichtigsten körperlichen Störungen im Rahmen einer Kleinkind-Depression?
Vor allem Ein- und Durchschlafstörungen sowie Ess-Störungen; und hier vor allem eine Ess-Verweigerung mit Gewichtsverlust. Interessant auch eine erhöhte Infekt-Anfälligkeit (ständiges „Kränkeln“). Die „larvierte Depression“ des Kleinkindes beunruhigt also besonders durch Appetit-, Schlaf-, Gedeih- und Entwicklungsstörungen oder Bauchschmerzen. Der Kinderarzt findet keinen krankhaften Befund. Den Kinderpsychiater aber interessieren vor allem weitere mögliche Symptome wie Unruhe, Weinen und Schreien. Dazu Desinteresse, Passivität, Apathie (Teilnahmslosigkeit), mangelnde Ausdrucksfähigkeit, immer wieder auftretende Wein-Attacken, in der Regel ohne Grund, leichte Irritierbarkeit (schnell durcheinander zu bringen) und Agitiertheit (unruhig, nervös, gespannt). Interessant, dass nicht nur depressive Erwachsene über den Rückgang von Kreativität und Leistungsfähigkeit klagen, man findet dies auch schon beim Kleinkind. Denn auch seine Kreativität ist – im Rahmen seiner Möglichkeiten – reduziert; die Fantasie verblasst, die Ausdauer nimmt ab. Dafür nimmt vielleicht eine ungewöhnliche Anhänglichkeit, ja sogar Albernheit zu. Und ein vermehrt selbst-stimulierendes Verhalten in jeglicher Form („sich in seinem kindlichen Elend selber belohnen“).
Wichtig: Nach einer ursprünglichen Phase mit Unruhe, Weinen und Schreien werden die Kinder zunehmend passiver, desinteressierter, scheinbar „weniger auffällig“. Doch das ist ein Irrtum: Das Beschwerdebild geht nicht zurück, es nimmt nur eine andere Gestalt an.
Im Schulkind-Alter wird das Beschwerdebild immer erwachsen-typischer. Nun kann das Kind auch endlich über seine belastende Befindlichkeit berichten (was zuvor in der Regel noch nicht erfassbar und vor allem in Worte kleidbar war). Unverändert und vor allem ohne Grund: Weinen. Dazu eine schwer beschreibbare Traurigkeit, insbesondere aber Lustlosigkeit und Antriebslosigkeit. Das Desinteresse an allem und jedem wächst - und damit auch Rückzug mit Isolationsgefahr. In geistiger Hinsicht mehren sich die Merk- und Konzentrationsstörungen, nunmehr auch mit schulischen Konsequenzen, bis hin zu Leistungseinbruch und damit Schulversagen. Dafür vereinnahmen unnötige Sorgen, Kümmernisse, Probleme mit wachsendem Gedankenkreisen: sinnlos, vor allem zu dem später besonders häufig beklagten „Problem-Grübeln“ ausufernd.
In diesem Zusammenhang kann es dann zu den ersten folgenschweren Überlegungen kommen, ob dieses Leben überhaupt noch lebenswert ist. Das verstärkt die Suche nach Zuwendung, Halt, Stützung, Trost, Verfügbarkeit. Einzelheiten siehe später.
Unter den körperlichen Beschwerden (wohlgemerkt: ohne organischen Befund) nach wie vor Schlafstörungen und Ess-Störungen. Es können aber auch andere körperliche Beschwerden auftreten: Kopf, Herz-Kreislauf, Magen-Darm, Wirbelsäule und Gelenke (in der Regel aber erst im Erwachsenenalter so richtig quälend).
Die Depressionen Jugendlicher ähneln schließlich denen der Erwachsenen. Vor allem schieben sich hier jetzt die psychosozialen Konsequenzen, d. h. Defizite, Probleme, Auseinandersetzungen und zwischenmenschliche Folgen in den Vordergrund, was wieder zu entsprechenden Reaktionen von Umfeld und Patient führt. Ein Teufelskreis. Dabei fallen zwei Schwerpunkte auf:
In körperlicher, treffender: psychosomatischer Hinsicht vor allem Schlaf- und Ess-Störungen und eine Reihe psychosomatisch interpretierbarer Beschwerden; jetzt aber vermehrt auch Früherwachen (und nicht nur Ein- und Durchschlafstörungen), Morgentief („Morgengrauen“ mit Angst vor dem kommenden Tag, Berg auf der Brust und Hoffnungslosigkeit) sowie eine durchgehende Unfähigkeit zur Entspannung und damit Erholung.
Ein besonderes Problem im Jugendalter, d. h. während der Ausbildung und damit in einer zwischenmenschlich eigentlich aktiven Zeit sind Leistungseinbußen, vor allem der erwähnte Interessen- und Antriebsverlust, sozialer Rückzug, Zukunftsängste, die Suizidalität. In einer Art sinnlosem „Rund-um-Schlag“ aufgrund schwindender Frustrations-Toleranz kommt es vermehrt zu Unmut, Miss-Stimmung, Reizbarkeit, ja Jähzorn („schuld sind die anderen“); gelegentlich auch bisweilen fast hysterisch anmutende Verhaltensweisen. Oftmals auffällig nicht nur die erwähnten Ängste, sondern zunehmend zwanghaft erscheinende Handlungen. Da die Krankheit alles absorbiert und wenig für die Leistungs-Anforderungen des Alltags übrig lässt, können entwicklungs-notwendige Stimulation und Reifung fehlen, was wiederum mit einer Entwicklungs-Verzögerung im sprachlichen, psycho-motorischen (Bewegungs-Ablauf), kognitiven (geistigen) und sozialen Bereich zu bezahlen ist. Und mit einem weiteren Verlust an Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen und dem notwendigen Engagement.
Eine nicht seltene Verzweiflungs-Reaktion, vor allem bei chronischem, unbehandeltem Verlauf, ist der Missbrauch von Alkohol, Rauschdrogen, Nikotin, bisweilen auch Medikamenten oder eine verheerende Mehrfach-Abhängigkeit.
Am schlimmsten aber eine drohende Selbsttötungs-Gefahr, oftmals lange zuvor schwer durchschaubar, bisweilen für das Umfeld völlig überraschen. Was muss man wissen?
Es dürfte kaum eine länger anhaltende Depression geben, in der der Betroffene schließlich nicht zermürbt, lebensmüde oder gar konkret suizidal im gefährlichen Sinne zu werden droht. Die nüchterne Statistik spricht hier eine deutliche Sprache: Die Selbsttötung ist die zweithäufigste Todesursache der Heranwachenden nach dem Unfalltod. Oft geht eine so genannte präsuizidale Phase voraus. Dazu gehören:
- Zwischenmenschlich sozialer Rückzug, Andeutungen von Todesgedanken, Verschenken wichtiger persönlicher Dinge, Klärung noch offener Angelegenheiten u. a. (was nebenbei auch in der suizidalen Entwicklung des alten Menschen zu beobachten ist).
- Im Verhalten finden sich zunehmende Verwahrlosungs-Tendenzen, deutliche, aber für den Betreffenden eigentlich untypische Verhaltensänderungen, die Vernachlässigung von Alltags-Aufgaben und -Pflichten und ggf. ein wachsender Substanz-Missbrauch (d. h. Alkohol, oft Rauschdrogen und Nikotin, bisweilen Medikamente).
- Unter den suizid-gefährlichen Depressions-Symptomen warnen vor allem zermürbendes (Problem-)Grübeln, Leistungsknick, die intensive Beschäftigung mit dem Thema Tod (Zeichnungen, Lektüre, Gedichte, Chatrooms u. a.). Und schließlich eine plötzlich gelöste Stimmung nach depressivem Tief (vom Umfeld fälschlicherweise als „Beruhigung“ oder „Genesung“ verkannt, in Wirklichkeit die anspannungs-lösende Entscheidung zum Suizid).
- Alarm-Zeichen sind Abschiedsbriefe, konkrete Planungen zur Suizid-Durchführung sowie frühere, vorausgegangene ernste Suizidversuche.
Die wichtigsten Risiko-Faktoren sind auf jeden Fall seelische Störungen (und hier insbesondere die Depressionen), ferner Suizide oder früher Tod eines nahen Familien-Angehörigen sowie Leistungsprobleme.
Der Wahn des Schizophrenen ist meist nicht nachvollziehbar, der des Depressiven zwar inhaltlich auch nicht, passt aber eher in den depressiven Gesamtzustand (z. B. „schwarze Brille“: alles nur negativ, pessimistisch, hoffnungslos sehen). Es kann sogar zu akustischen Halluzinationen (Gehörs-Sinnestäuschungen) kommen, dann aber ebenfalls beschwerde-typisch (z. B. Stimme des verstorbenen Partners, der ins Grab ruft). Oder eine etwas schlichte, aber gut merkbare Metapher: Beim schizophrenen Wahn weist der „Zeiger der Schuld“ eher auf die anderen, beim depressiven Wahn meist auf sich selber.
Die Depression des älteren Menschen hat viele Facetten, Ursachen, Motive und Verlaufsformen, an die man „zuvor“ kaum denkt.
Einteilung depressiver Erkrankungen einst und heute
In den letzten zwei Jahrzehnten haben sich die diagnostischen Kriterien und damit die Klassifikation seelischer Störungen erheblich verändert. Früher ging man bei den Depressionen nach drei ätiologischen (Ätiologie = Lehre von den Krankheitsursachen) Gesichtspunkten aus, die sich überwiegend nach alltagsbezogenen, praxisrelevanten Aspekten richteten. So unterschied man psychogene (rein seelisch ausgelöste und unterhaltene) Depressionen, zu denen beispielsweise die reaktive Depression (belastende Lebensereignisse), die neurotische Depression (neurotische Entwicklung mit depressivem Symptom-Schwerpunkt) sowie eine zeitlang die depressiven Entwicklungen gehörten (Beispiel: Erschöpfungsdepression). Die zweite Gruppe waren die damals so genannten endogenen Depressionen („von innen kommende“, also biologische Depressions-Ursachen) mit Verlaufsunterteilung im Sinne von unipolaren und bipolaren Depressionen (entweder nur depressive oder depressive mit manischen Zuständen). Die dritte Gruppe bestand aus so genannten somatogenen (körperlich ausgelösten und unterhaltenen) Depressionen, die man noch in organische (direkter Einfluss auf das Zentrale Nervensystem bzw. Gehirn) und symptomatische Depressionen unterteilte (indirekter Einfluss, z. B. über Herz-Kreislauf, Magen-Darm, Stoffwechsel u. a.).
Im Laufe der letzten Jahrzehnte wurde aber immer deutlicher, dass diese drei Klassifikations-Aspekte in psychogene, endogene und somatogene Depressionen bei fast allen Verlaufsformen irgendwie eine Rolle spielten, wenngleich natürlich mit unterschiedlicher Gewichtung. Dabei gab es allerdings schon früher Kompromiss-Vorschläge, z. B. in Richtung „endo-reaktive“ Depression oder „endo-neurotische“ Depression, bei der ganz offensichtlich beide Ursachen, die rein seelischen und die biologischen die Depression auslösten und unterhielten. Deshalb einigte man sich auf so genannte rein deskriptive (also beschreibende) klinische Querschnitts- und Verlaufs-Aspekte. Lediglich ein Teil der früheren somatogenen Depressionen, nämlich die organischen Depressionen (bei dem die körperliche Störung die Hirnfunktionen direkt beeinträchtigten) bleiben noch als alte Diagnosegruppe erhalten.